Qualität

Gruppenleitung: Hansueli Schläpfer (†)

Die Arbeitsgruppe „Qualität“ (2014-2019) behandelte zahlreiche Aspekte zur Qualität in der Medizin. Neben der Qualität im engeren Sinne beschäftigte sich die Arbeitsgruppe seit Januar 2017 auch mit verwandten Themenbereichen wie „Sicherheit, Unsicherheit, Angst, Vertrauen, Digitalisierung und Autonomie“. Der richtige Umgang mit diesen Problembereichen spielt für die Qualität einer vernünftig praktizierten Medizin eine grundlegende Rolle und die Auseinandersetzung mit diesen Themenbereichen schloss an die bisherigen Diskussionen zur Qualität an.

 

Erinnerung an Hansueli Schläpfer (1943 – 2020)

Hansueli Schläpfer hat sowohl das Forum Medizin und Philosophie wie auch die Arbeitsgruppe ‘Qualität in der Medizin’ bis zu seinem Tod geleitet. Wir erinnern uns an sein Charisma, sein spitzbübisches Lächeln, hinter dem sich Lebenswitz wie auch Strenge des Denkens verbargen, seine sichere, fast väterliche Art, mit der er das lebendige und stets kontrovers diskutierende Forum führte.

Hansueli war einerseits ein unbestechlicher Verfechter naturwissenschaftlicher Rationalität – unausgegorene psychologisierende Technikfeindlichkeit war ihm ein Greuel – und er hatte gleichzeitig ein feines Gespür für die Probleme, die der Glaube an Machbarkeiten und die Aufteilung des Menschen in Soma und Psyche mit sich bringen. Bereits in seiner Masterarbeit hatte er Sinngebung und Ziele in der Medizin thematisiert und davor gewarnt, dass eine immer potenter auftretende Medizin Heilsversprechungen mache, die sie nicht halten könne. Sie manövriere sich in Perfektionismus und Selbstüberforderung und werde immer mehr mit Problemen des Grenznutzens und auch einer Medikalisierung aller Lebensbereiche konfrontiert, während die Objektivierung des Menschen voranschreite, was wiederum nicht ihr Ziel sei. Das führe in letzter Konsequenz zu Absurditäten.

Hansueli hat in der Arbeitsgruppe ‘Qualität in der Medizin’ denn auch dafür gesorgt, dass wir Wunsch und Wirklichkeit immer in ein praktisches Verhältnis zueinander setzten. Wir erkannten, dass Qualität in technischen Bereichen, aber auch in Krankheitsverläufen objektivierbar ist, dass aber die subjektiv-personale Qualität sich der Messung entzieht und eher durch das Vorbild weitergegeben wird. Hansueli machte dabei auf einen weiteren Punkt aufmerksam: Das Paradox des Vertrauens. Dass die immer genaueren Messungen die Unsicherheit der verängstigten Patienten nicht zum Verschwinden bringe.  Dass medizinischer Aktivismus bloss eine angstbindende Wirkung habe. Wirkliches Vertrauen entstehe eher durch die Haltung der Ärztin und des Arztes, ihren Mut, der Angst zu begegnen und ihr Eingeständnis von Unwissen. Nicht zuletzt deshalb hat er die Arbeitsgruppe auch mit Martin Bubers ‘Ich und Du’ konfrontiert.

Den Zuhörern mögen sich noch etliche andere, richtungsgebende Aussagen und Themensetzungen unseres verstorbenen Präsidenten eingeprägt haben. Seine Tatkraft bis zuletzt und die Breite seines Denkens bleiben uns Vorbild und Ansporn.

April 22,  Th. Schweizer

 

Zu den Ergebnissen der Arbeitsgruppe siehe den folgenden                                      Text von Thomas Schweizer:

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